Ein Bericht für eine Akademie - Franz Kafka - 

Seit nunmehr 22 Jahren spiele ich diesen Klassiker auf der Bühne, angefangen

als pures Solotheather, zwischenzeitlich unter der Begleitung einer Bratsche,

(das hatte etwas von Varieté-Character) und in den letzen Jahren mit musikalischer Begleitung von Marcel Lamour.

Der Akademiebericht ist als Theaterstück oder als Lesung buchbar

Bericht der Presse

 Kölner Stadt-Anzeiger

Eindrucksvoll setzte Herbert Bruns  
den Prozeß vom Affendasein zur 
"Menschwerdung" in Szene... 

 Regisseur Robert Schmidt gelang eine packende Inszenierung. 

   

 ... zum Zeitpunkt des Berichts, zwar mit der "Durchschnittbildung eines Europäers" versehen, besitzt er dennoch latentes Affentum.  
Und das durchblicken zu lassen, erfodert genaue und sensible Dosierung. 
Dort, wo animalische Temperamentsausbrüche die Sozialisationsversuche durchbrechen, blitzt für Momente die nackte Verzweiflung auf. Zivilisation wird zum Synonym für Vernichtung. Trauer und Komik liegen daher nah beieinander und verleihen der Aufführung jenen Schuß Ironie, den Kafka selbst in seine düsteren Prosastücke einfließen ließ.

 

Autorin: Bettina Jochheim

Kölnische Rundschau

 

    

 Schmidt und Bruns bringen Kafkas Bericht für eine Akademie in einer neuen modernen Sichtweise, die Diskussionsstoff liefert und ihre Wirkung nicht verfehlt. Herbert Bruns reißt ein ganzes Spektrum an Verhaltens- weisen auf. Mal ist er animalisch-triebgesteuert und fällt zurück in äffische Verhaltensweisen, dann wieder wirkt er in einer unverholenen Parodie menschlicher Gepflogenheiten überlegen und erhaben ...  
Mit poentierter Mimik und ausgefeilter Körpersprache erweckt Bruns seinen Text zu Leben.  
      ...eine fesselnde Darstellung.   

                                                             sty

NEUE  OSNABRÜCKER  ZEITUNG

  

   

 Die Wut der vergewaltigten Natur 


Herbert Bruns spielt im Zimmertheater Kafkas "Bericht für eine Akademie" 

 "Ihr Affentum, meine Herren, sofern Sie etwas Derartiges hinter sich haben, kann Ihnen nicht ferner sein als mir das meine." So wendet sich Affe Rotpeter an die Herren der Akademie. Vor wenigen Jahren noch sprang er, ein wildes Tier, an der Goldküste umher, wurde gefangen und fand als Ausweg aus der Käfighaltung die Menschwerdung. 
Es hat seinen Reiz Franz Kafkas "Bericht für eine Akademie" gerade im Zimmertheater, dem ehemaligen Ordnungsamt, zu sehen. Fand doch der Beamte der Prager Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstaltseine zentrale Metapher für die Moderne in der Unergründlichkeit bürokratischer Ordnung. Der "Bericht" erschien 1919 als Teil eines Prosabandes. Dennoch zählt er zu Kafkas am häufigsten dramatisierten Werken. Ganz in die Form eines Vortrags gefasst, lässt er sich ohne Eingriffe als Monolog sprechen. Das ideale Einpersonenstück. 
Nun steht gerade die Ansprache im Ruf der Eintönigkeit. Der Kölner Schauspieler Herbert Bruns findet eine Lösung des Dilemmas in der Regie von Robert Schmidt. Die Inszenierung legt den Akzent nicht auf die Vortragssituation. Bruns' Affe spricht eher für sich, als für ein Publikum von Gefangennahme und Zähmung. Zunehmend fällt er aus der Redner?Rolle und spielt seinen Leidensweg als etwas Gegenwärtiges. Die eingangs angesprochene Distanz zu seiner wilden Vergangenheit wird zur bloßen Schutzbehauptung des gedemütigten Tiers. Je schmerzlicher sich Rotpeter der Dressur erinnert, desto mehr mutiert er zum Affen, der er war. 
Anfangs tritt er als selbstgewisser Sprecher vor uns. Allenfalls die Arme hängen ihm etwas zu locker in den Schultern. Dann häufen sich Entgleisungen. Tragen Anwandlungen von Wut zunächst menschliche Züge, sehen wir ihn bald das Wasserglas an nun schon äffisch geschürzte Lippen setzen. Die Rückverwandlung kulminiert, als der Bericht den Gipfel von Rotpeters persönlicher Evolution erreicht: den Spracherwerb. Beim Gedanken an sein erstes (nur bei Kafka unsagbar lakonisches) "Hallo" und an die zuvor mit größter Selbstverleugnung geleerte Schnapsflasche überkommt ihn seine vergewaltigte Natur. Er wütet, spritzt Wasser, zerbeißt seine Unterlagen. Dann wird er ruhig, starrt in blödem Unverstand, fasst sich und fährt ermattet fort. Eine unkontrollierte Geste, das Aufstützen auf die Außenfläche der eingerollten Hand, bleibt jetzt unberichtigt - ein sehr schönes Detail, das zeigt, wie Bruns sein Handwerk beherrscht. Als Rotpeter die Bühne verlässt, besteht am Misslingen der Metamorphose kein Zweifel. 
Der menschgewordene Affe ist ein Tier geblieben. Unvermeidlich durchbricht der Trieb - Rotpeter reibt sich in aufgeregten Momenten heftig den Schritt - die kultivierte Fassade. Eine solche Auslegung schafft Raum für Bruns' variationsfreudiges, präzises Spiel. Aber der Text ist vernichtender. Kafka setzt voraus, die Verwandlung sei unumkehrbar gelungen. Nur fasst er eben die verwirklichte Kultur als eine Hilflosigkeit auf, als Ausweg nicht als Freiheit: als Flucht. 

 

Von Daniel Benedict

Herb A. Bruns ©

  • w-facebook